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Gasternchronik

Jeweils zur Gasternpredigt wurde ab 1822 eine Chronik verfasst, zuerst in der Gasternbibel, später in einem separaten Buch.
Üblicherweise wurde das Datum, Uhrzeit, Wetter sowie den Inhalt der Predigt niedergeschrieben. Auch sind oft die Namen wichtiger Predigt-Besucher aufgeschrieben. Daneben wurden weitere für die Gasterer damals wichtige Details hinzugefügt wie Unwetter oder einschneidende Ereignisse.

Gasterntal Kanderfirn Veränderung 1970 bis 2010

Abbildung: Seit rund hundert Jahren findet die Gasternpredigt mit vielen auswärtigen Besuchern jährlich jeweils am ersten Sonntag im August statt.


Die Gasterer lebten zwar abgeschiedener als andere, trotzdem ging das Weltgeschehen nicht unbemerkt an ihnen vorbei. So steht im Eintrag für 1830 einen Hinweis auf die Julirevolution von 1830:

[…] in dem besten Vertrauen auf Gott, daß er uns durch die, dem Vernehmen nach, im Auslande entstandenen großen Bewegungen zu unserm Besten väterlich hindurch führen werde!

Weiter unten wurde dann noch folgende Bemerkung hinzugefügt:

Die hieroben angemerkte Revolution, am 27., 28. & 30. Juli 1830 in Paris ausgebrochen, hat sich leider Gott auch über [unser] bis dahin ruhiges und friedliches Vaterland erstreckt, und wir sind in banger Erwartung, wohin und was für Unheil sie uns bringen wird.

Irland litt 1845-1849 an der Grossen Hungersnot. Die als Hauptnahrungsmittel verwendeten Kartoffeln litten unter der Kartoffelfäule, welche mehrere Missernten zur Folge hatte. Auch die Gasterer pflanzten Kartoffeln an und fürchteten sich von einem Befall. So steht in der Chronik für 1846:

Die Erdäpfelkrankheit droht auch hier.

An der Gasternpredigt am 2. August 1914 waren die Menschen besorgt, ob infolge des Serbienfeldzug von 1914 ein europäischer Krieg ausbrechen werde:

Die diesjährige Zuhörerschaft war unter dem Druck der Ungewißheit, ob infolge des zw. Österreich und Serbien ausgebrochenen Krieges ein europ. Krieg ausbrechen werde. Am Samstag, 1. August, mußten die Landstürmer einrücken, am 4. müssen Auszug und Landwehr. In Kandersteg sind deshalb die meisten Gäste abgereist.

Die Sorgen waren mehr als berechtig: Der Erste Weltkrieg hatte soeben begonnen. 1915 gab es zum laufenden Krieg folgende Bemerkung:

In der Hoffnung daß unser Vaterlaud auch fernerhin von blutigen Kriege verschont bleibe & die kriegführenden Völker bald zu einem dauernden Frieden sich finden, zieht abermals von seiner lieben Gattin begleitet ins Bunderbacherpfarrhaus heim

Karl v. Greyerz, Pfr.

1916 waren etwa 500 Zuhörer anwesend und es wurde für die kranken Schweizer Wehrmänner 257 Franken gesammelt. 1917 waren dann etwa 450 Leute anwesend; 311 Franken wurden für die verfolgten Armenier gesammelt. Im Folgejahr wütete die Spanische Grippe, darum fiel die Gasternpredigt aus.
1934 erinnerte man sich wieder an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges 20 Jahre zuvor und hatte erneut Angst um den Weltfrieden:

[Sonntag], 12. August. Gasternpredigt über Jes. 2, 2 - 4, in Erinnerung an Ausbruch des Weltkrieges vor 20 Jahren, in banger Beobachtung der gegenwärtigen Weltlage (Österreich, Bundeskanzler Dollfuss ermordet, A. Hitler nach Hindenburgs Tod unumschränkter Herr Deutschlands) doch im festen Glauben, Gott wird - zur letzten Zeit - auf Erden noch Frieden schaffen.

Die Zweifel der Gasterer 1934 bezüglich des Weltfriedens haben sich in nur wenigen Jahren weiter verdichtet. Für die Gasternpredigt am 30. Juli 1939 steht zuunterst:

In Bestätigung der Hoffnung, die vor einem Vierteliahrhundert Pfarrer v.Greyerz aussprach (heute droht wegen Danzig ein europ. Krieg), fährt heimwärts

W. Marti, Pfr.

Kurz darauf wurde mit dem Überfall auf Polen der Zweiten Weltkrieg losgetreten. Auf im nächsten Jahr gab es einen Abschnitt über das laufende Weltgeschehen:

Dankbar für den schänen Tag & für die Verschonung vom Krieg (Polen, Dänenark, Norwegen, Holland, Belgien & Frankreich wurden durch die Deutschen seit 1. September 1939 besetzt, England steht vor dem Entscheidungskampf & die Lage unseres Vaterlandes soll auch gegenwärtig wieder etwas kritischer sein) kehrt mit de Familie heim

W. Marti, Pfr.

Das Kriegswirren ging auch 1941 nicht unbemerkt weiter:

Das Schweizerland hat vorgestern die 650 Jahrfeier begehen dürfen, Gott Lob & Dank: Jugoslawien und Griechenland sind zerschlagen, um die Stalinlinie wird furchtbar gekämpft, Indochina wurde eben besetzt, die USA sind nahe dem Kriege.

Genauso 1942,1943 und 1944:

Die Erde ist weiter in Kriegsnot (Rommel vor Alexandrien, die Deutschen vor dem Kaukasus, Japan bedroht schon Indien, Städteverwüstungen & Versenkungen) und wir - bewahrt. Der Heuet ist sehr gut. Behüt Euch Gott, Gastern, Bern, Schweiz.

Letzten Montag wurde Benito Mussolini gestürzt, Sizilien ist fast erobert, der Kampf um Catania tobt, die Zukunft ist ganz ungewiss für Europa, für uns. Ich schliesse mit dem letzjährigen Wunsch.

Weltlage: Die Russen stehen vor Warschau & Ostpreussen, die Angloamerikaner sind in Florenz, greifen von der Normandie in die Bretagne über, in Frankreich herrscht mehr oder weniger Bürgerkrieg, für die Schweiz steht die schwierigste Zeit bevor.

1945 sah man in den Ereignissen schon wieder etwas Licht am Ende des Tunnels:

Der Krieg in Europa fand diesen Sommer mit dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus, dem Tode Mussolini's & sehr wahrscheinlich auch Hitler's ein Ende. - Gestern erklärte Russland an Japan den Krieg: der Anfang des Endes dort. Wunderbar ward die Schweiz erhalten.

Für 1946 steht ein vorsichtig optimistischer Abschnitt:

Was bringt die Zukunft? In Paris tagt wieder eine Friedenskonferenz. Möge sie einen gerechteren Frieden als 1919 zu Stande bringen. Die Atombombe, die letztes Jahr Japans Widerstand brach, ist seither ständig verbessert worden!!

Im 1947 wird neben Weltpolitik auch Bezug auf ein wichtiges Ereignis der Schweizer Politik genommen:

Am 6. Juli nahm das Schweizervolk die Alters- & Hinterbliebenenversicherung mit überwältigendem Mehr an. Damit scheint das Schweizervolk innerlich gefestigter. Es ist nötig: Die internationalen Spannungen, besonders zw. den Vereinigten Staaten & der Sowjetunion nehmen bedrohlich zu.

1957 wurde Bezug auf den Ungarischen Volksaufstand sowie die darauffolgende Flüchtlingswelle genommen:

In der unruhigen Zeit des vergangenen Jahres, dem Aufstand in Ungarn und den Flüchtlingen, die auch in unserer Gemeinde waren, spüren wir, und möge uns Gott helfen, dass eine Änderung der Herzen um sich greifen möge, welche die Welt retten wird.



Unten finden Sie in mehreren Abschnitten die gesamte Chronik. Kommentare und Erläuterungen sind in der Transkription in [eckigen Klammern] verfasst (Transkription verfasst von: U. Junger, Pfarrer, Kandersteg, o.D.):

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1822
[Dienstag] den 23. July wurde das Gasterenthal vom gegenwärtigen Pfarrer J. J. Gyger zu Frutigen in Begleit folgender resp [ektierlicher] Personen besucht.
Hr Statthalter Wäfler - Landsekelmeister Schneider - Gerichtsässen Trachsel und Großen, Amtschreiber von Känel - Gerichtsäss Klopfenstein - Friedrich Schneider & Gebrüder Großen, Schullehrer, denne die Frau Schulmeisterin im Dorf & Salome Zimmerli von Aarburg - Peter Küenzi und seine wakere Hausfrau gewährten uns freundschaftlichen Empfang und treffliche Bewirthung, wofür ihnen warmer Dank gezollt wird.
Das erste wornach die Gesellschaft frug - war gegenwärtige Bibel, ein Geschenk edler Menschenfreunde - deren Asche in Gott friedlich ruhen möge.
Mittwochs darauf, nemlich den 24. July, erfreute uns wieder das herrlichste Wetter, nachdem der nahe Gletscher von einem Theile der Gesellschaft besichtigt worden war - sammelte man sich um 9 Uhr zum Gottesdienste, der vor Peter Großens Haus von Hr. Pfarrer Gyger abgehalten wurde. Der Text der Predigt war hergenommen aus Jer. XXIII, 23, 24, – gesungen wurde der 139. Psalm, gegenwärtig waren 67 Personen. Dieß wenige zum Andenken und Kenntniß der Nachkommenschaft eingerückt von

J. Gyger, Pfarrer

1823
[Mittwoch], den 13. August. Nicht in zahlreicher - aber doch sehr willkommenen Gesellschaft des Ehrenden Chorrichter Peter Großen zu Mitholz (der sich um die jeweiligen Pfarrer zu Frutigen durch seine Gefälligkeiten jeder Art unschätzbare Verdienste erworben hat) ward dies Jahres das Gasternthal besucht. Wiederum freundlicher Empfang bey Küenzi: wie gewohnt. Des Morgens kam noch h... [unlesbar] Hr Johannes Zurbrügg, Negotiant zu Frutigen. Der fleißige Gebrauch des Wortes Gottes ward bey der Entlegenheit von der Kirche dringend anbefohlen über Psalm 119,97[?]. Es waren bey 50 Personen gegenwärtig, Wetter [unleserlich: schön?] wie noch nie in diesem Sommer.

Ob[iger]

1824
[Mittwoch] , den 11. August - wurde wiederum in Gastern gepredigt und zwar diegmal über Matth. 23, 9, gegenwärtig waren bey 50 Personen. Nach der Predigt wurde über die Errichtung einer eigenen Schule in Gastern gesprochen, die verhoffentlich zu Stande kommen wird. Mein diegjähriges Begleit bestand aus folgenden res[pektierlichen] Personen: Hr. Pfarrer Steck von Äsche - Hr Wildbolz von Bern - Hr Adrien Constant de Lausanne - Hr Chorrichter Grogen und Zurbrügg - Jakob Bühler und Friedrich Schneider, Catechumenen. Das Wetter war herrlich; depwegen wurde auch der Alpletli-Gletscher [sic!] besucht, wo eben eine immense Lawine mit gewaltigem Getöse auf das obere Gesinse des Gletschers herabstürzte und uns ein herrliches Schauspiel gewährte.

Ob[iger]

1825
[Sonntag], den 12. Juny 1825, stieg hienach benamsete Gesellschaft unter Führung des Wohlehrwürdigen Herrn Pfarrherrn Gyger von Frutigen durch die furchtbare Klause ins Gasternthal und wurde von dem wakern Peter Künzi mit alt Schweizerischer Gastfreundschaft aufgenommen; nach gehaltenem Frühstück von herrlicher Alpenspeise und einer Wallfarth zum Gletscher hielt uns und der versammelten Gesellschaft Hr. Pfarrherr Gyger eine vortreffliche Predigt über Psalm 147, unter Gottes freyem Himmel im herrlichen Tempel der Natur, begleitet vom harmonischen Gesang der Jugend, welcher wohl Gott gefällig wie Abels Rauchsäule durch das blaue Himmelsgezelt dringt, während vielleicht mancher Kirchengesang der sündigen Städter das Schicksal des Brandopfers Cains theilt. Nach genoßenem fröhlichen Mittagsmahl verließ die Gesellschaft dieses einsame an Naturschönheiten reiche Thal mit dankbarem Herzen, gestärkt an Leib und Seele, und wird dieses frohen Tages auch im Getümmel der Welt immer mit Freuden und Rührung gedenken.

[Niklaus Friedrich v.] Freudenreich
Ober-Amtmann von Wimmis

Hr. Carl Fischer von Oberhofen, alt Ober-Amtmann von Signau, mit seiner Gemahlin, Louise, Sophie und Carl seinen Kindern, Georgina und Emma Fischer von Bellerive. Friedrich Freudenreich, Sohn. Hr. Hauptmann Klopfenstein von Frutigen mit seiner Jungfer Schwester Elisabeth. Peter Großen. Chorrichter im Kandersteg, Abraham Großen Schulmeister im Kandersteg, Kirchmeyer Schmid, und einige Sänger und Sängerinnen aus dem Kandersteg.

[1826]
[kein Eintrag]

1827
[Mittwoch]‚ den 1. August. Abermals bey herrlicher, unvergleichlicher Witterung von mehreren wakern Freunden begleitet, wurde von dem unterzeichneten Pfarrer von Frutigen nach alt herkömmlicher Übung das einsame und entlegene Gasternthal besucht und diegmal über Röm. 12, 12 gepredigt, und der 84. Psalm abgesungen. Den zahlreich anwesenden Zuhörern wurde bey ihrer Entlegenheit von der Mutterkirche und der dermaligen Unmöglichkeit ihren gottesdienstlichen Pflichten nach Gewohnheit obzuliegen, die fleißige Übung des Gebets dringend anbefohlen, die Eltern dann insbesondere vermahnt, ihre Kinder frühe zu dieser seligen Übung anzuführen und sie überhaupt dem Dienste ihres Gottes und Heilands zu weihen.

J. Gyger, Pfarrer zu Frutigen

Hr. Chorrichter Großen - Kirchmeyer Schmid - Schulmeister Abr. Großen - Hr. Eduard von Ernst, Sohn, Stud. Philologiae - Friedrich Reinhard - Fritz Gyger in seinem 7½ Jahr - Johannes Klopfenstein, Hr. Hauptm. Sohn von Kandersteg.
Vielen Dank den gastfreundlichen Eheleuten Peter Künzi und Maria geb. Großen für die uns zugedachte treffliche Bewirthung und patriarchalisch-herzlichen Empfang.

1828
[Mittwoch], den 13. August. Favente deo und unter Begleit unten verzeichneter Personen wurde vom jeztmaligen Pfarrer zu Frutigen abermals das wilde Gasternthal besucht und bey Christian Großen, des neuerwählten Bäurtvogts, Haus beym Brunnen, gepredigt über Psalm 19, 8 - 11, gesungen wurde der 98. Psalm. Gegenwärtig waren 47 Personen und unter diesen:

Hr. Chorrichter Großen in seinem 72. Jahre; degen Sohn, Abraham, Schulmeister im Kandersteg; denne, Frau Pfarrherrin Gyger gb. Reuchard [Frau Pfarrer heisst Richard!] zu Frutigen, Jgfr. Louise Hübscher von Basel und Frau Forts .Seite3 6 Mazd: Seiler geb. Schneider von Frutigen.

Vom jeztmaligen Bäuertvogt Christen Großen und seiner Ehefrau wurde alles an Kräften aufgeboten, um uns einen freundlichen Empfang zu bereiten; herrliche Alpenspeise erquikte die Wanderer; das schönste Wetter, wie noch nie in den lezten fünf Wochen - erhöhte unsern vielseitigen Genuß. Kaum war ich vorigen Jahrs von Gastern zurük nach Hause gekehrt, als am 3. August des Nachmittags um 3 Uhr die schrekliche Feuersbrunst ausbrach, wodurch das schöne Dorf Frutigen eingeäschert wurde. Möchte doch aus diesem schrekensvollen Ereigniß unter Gottes gnadenvoller Leitung Heil und Segen erblühen. Auf heutigen Tag sind bereits 12 Gebäude wieder aufgerichtet. Dank sey's der Hohen Obrigkeit, die durch ihre kräftigen Maasnahmen für die größere Solidität und Feuerfestigkeit der Gebäude landesväterlich gesorgt hat.

Gyger, Pfar[rer]

1829
[Mittwoch], den 12. August, wurde das wilde Gasternthal aber mals von dem unterzeichneten Pfarrer besucht und für dießmal über Phil. III, 20. gepredigt.
Als ich Tags zu vor in Begleitung des Ehrenden Chorrichter Peter Willen den Kandersteg verlieg, um meine Wanderung nach Gastern anzutretten, und ein Regenschauer den andern drängte, da glaubte ich schon mein Glükstern, der mir immer die schönste Witterung nach Gastern verlieh, möchte untergegangen seyn; allein wie schämte Ich mich meines Kleinglaubens, als am frühen Morgen darauf ein blauer, wolkenleerer Himmel und das schimmernde Gold der nahen Gletscher den Anbruch eines herrlichen Somnertages verkündeten.
Von der lieblichen Witterung begünstigt langten gleich nach 8 Uhr MhGh [mein hochgeachteter Herr] Oberamtsmann Emanuel Rudolf v.Tavel und deßen verehrte Frau Gemahlin, in Begleit der liebenswürdigen Jgfr. Susette Schneider von Frutigen hier an, um die Schönheiten der einsamen Thalschaft Gastern zu besehen und unserer gottesdienstlichen Andacht unter Gottes freyenm Himmel beizuwohnen.
Bäuertvogt Christen Großen und seine wakkere Hausfrau öffneten uns auch diegmal ihr gastliches Haus und empfingen uns mit gewohnter Herzlichkeit. Die Gebrüder Abraham und Gilgian Großen, Schulmeister zu Kandersteg und Kandergrund, wohnten unserm Gottesdienste ebenfalls bey und leiteten bey selbigem den harmonischen Gesang.

J. J. Gyger, Pfarrer

1830
[Dienstag], den 3. August, als dem dritten Jahrstage nach dem schrecklichen Brande zu Frutigen, wurde das abgelegene Thal von Gastern abermals von Seiner Wohlehrwürden Herrn Pfarrer Gyger, begleitet von Hr. Karl Richard von Bern, Chorrichter willen und Schulmeister Großen von Kandersteg und Jakob Steiner ab Ried mit vielem Vergnügen besucht. Die Witterung war abermals sehr schön, und lieg uns die intereßantesten Abwechslungen des Schönen, Erhabenen und Schauerlichen mit dem seltensten Wonngefühl bewundern. Nachdem wir Kanderstegs freundliche Ge- filde mit dem ernsthaften Schauspielder Klause vertauscht und nachher von der kühlen Abendlunft angeweht das Thal erreicht hatten, wurden wir von dem damaligen Bäuertvogt Gilgian Großen mit gewohnter Gastfreunäschaft empfangen, welcher dann auch nicht ermangelte uns mit den besten Erzeugnißen der Alpen und Kornfelder aufzuwarten und uns auch sogar mit Produkten aus Orient und Occident bewirthete. Den folgenden Tag ward uns das Glück zu Theil, eine Predigt über den ersten Theil des 3. Verses im Briefe St. Jakob im 4. Capitel anzuhören, wobey die Erforderniße und Kennzeichen eines Gott wohlgefälligen Gebetes, als Anrufung des wahren Gottes, um vernünftige Dinge, von einen guten Beten, den Zuhörern anschaulich gemacht wurde. Die gehaltvolle, rührende Ermahnung wurde noch durch einen herzlichen Gesang begleitet, der dem Allgegenwärtigen wohlgefällig an den hohen Felsen verhallte; zur Ehre deßen, der nicht nur durch die Hymnen der Seeligen an seinem Throne und durch die rauschenden Melodienn der Natur verherrlicht wird, sondern dem auch eine Stimmerhebung aus einem, durch die Laster des Zeitalters noch unentweihter Brust ein angenehmes Lob enthalten mußte.
Nach genoßenem Mittagsmahl entschloßen wir uns nach unserm, durch eine Überschwemmung unterm 16. Juli abermals schwer heimgesuchten Dorfe Frutigen zurück zu kehren, in dem besten Vertrauen auf Gott, daß er uns durch die, dem Vernehmen nach, im Auslande entstandenen großen Bewegungen zu unserm Besten väterlich hindurch führen werde!

Jak[ob] Steiner, dermal Präceptor im Pfarrhause zu Frutigen

Vernimm, o Vater, unser brünstig Flehen!
Es steig noch oft zu Deines Himmels Höhen,
Es lobt Dich unser neu gestärkte Geist,
Bis er, entrückt aus diesem öden Thale,
Geschwungen sich zum heh'ren Himmelssaale,
In ew'gen Liedern Deine Güte preist!

1831
[Montag], den 27. July. Predigt in Gastern über Psalm III, 11. Zum ersten male bey ungünstigem Wetter - aber unter dem schäzbaren Begleit folgender Personen:

Jefr. Cecile Bürki
Jgfr. Fueter
Jgfr. Julie von Tavel, Hern Landvogts Tochter
Schulmeister Johann Großen
Schulmeister Abraham Großen und Carl Rischard

J. Gyger, Pfarrer

[Bemerkung:]
Die hieroben angemerkte Revolution, am 27., 28. & 30. Juli 1830 in Paris ausgebrochen, hat sich leider Gott auch über [unser] bis dahin ruhiges und friedliches Vaterland erstreckt, und wir sind in banger Erwartung, wohin und was für Unheil sie uns bringen wird.

[1832]
[kein Eintrag]

1833
[Mittwoch], den 7. August. Predigt über Psalm XXXIII, 13, 14, 15. Wegen schreklichen Ueberschwemmungen und daheriger Zustände des Weges ward vorigen Jahrs das wilde Gasternthal von dem Unterzeichneten nicht besucht; desto größer war aber jetzt sein Verlangen, Worte des Lebens dahin zu tragen und bey so vielen traurigen Erscheinungen der Zeit und bey den bedrohlichen Wirren in unserm Vaterlande den Glauben und das Vertrauen an den zu stärken, der die Schiksale der Welt und jedes einzelnen Menschen leitet mit Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe.
Die Reise bey herrlichem Wetter machten mit Herr Kirchmeier David Schmid, Schulmeister Abraham Großen, Fritz Gyger u.m.a.

J. J. Gyger
Pfarrer zu Frutigen

Mem.: In voriger Woche ward Küßnacht von Oberst Ab Yberg mit 600 Mann eingenommen - daher starke Aufgebote von Mannschaft etc. Möge der Herr der gewaltige Lenker im Himmel, väterlich über uns walten und alles ein gutes (?!) Ende gewinnen laßen!!

1834
[Montag, den 11. August] Stets wird unvergeßlich der Tag mir sein, an welchem ich, begünstigt vom herrlichsten Wetter, hier in der freien Natur, im Angesicht der himmelan ragenden Felsen und im Angesicht der von der Sonne hell erglänzenden Gletscher vor den Bewohnern dieses Thals predigte und zwar über Psalm 139, 1 - 12.
Möge Friede und Einigkeit immer zu Gastern wohnen, denn wenn schon die Natur wild, der Boden dürftig, so gilt auch hier: "Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hin- kommt mit seiner Qual."

Friedr. Meley,
Pfarrvikar

[Notiz von anderer Hand]
Am nemlichen obbenannten Tage riß am Abend, was seit 100 oder mehr Jahren nicht mehr geschehen ist, der Siller-Gletscher los, verwüstete eine große Streke Ackerland, wovon noch lange Spuren zu sehen seyn werden.

1835
[Donnerstag], den 6. August predigte aus werthem Auftrage des Tit. Herrn Pfarrer Gyger zu Frutigen (welcher am nemlichen Tage zu Kandersteg predigte) der Pfarrer in Adelboden J. Losenegger, welcher vom Wohlachtbaren und liebwerthen Hr. Johann Großen, damaligen Oberschullehrer im Dorfe Frutigen, hieher begleitet wurde, über Prediger Sal. XII, 9.

[1836]
[fehlt‚kein Eintrag|

[1837]
[fehlt‚kein Eintrag|

1838
[Mittwoch], 1. August, wurde das schauerlich furchtbar schöne Gasternthal abermals von S[eine]r Wohlehrwürden Herrn Pfarrer Giger von Frutigen, unter Begleitung des H. Herrn Gerichtspräsident Klopfenstein von Frutigen und J. G. Stähli daselbst besucht, woselbst Herr Pfarrer Giger über die im Evang. St. Lucas im XIII Cap. vom 6. - 9. Vers in Anwesenheit von ca. 50 Personen die erbauliche Bergpredigt über das Gleichnis vom Feigenbaum im Weingarten hielt.

[1839]
[fehlt‚kein Eintrag|

1840
[Mittwoch], den 29. Juli, predigte hier in Gastern Alb. Haller d.Z. Pfarrvicar in Frutigen über Lucas XV, 12 - 32. An schönem Sommertage habe ich diese abgelegene Wildniß besucht und ihre biederen Bewohner im Begleit von Schullehrer Johannes Großen im Dorf Frutigen, von Schullehrer Abraham Großen von Kandersteg und Peter Wäfler von Winklen.

Alb. Haller, Vicar

1841
Montag], den 19. Heumonat, predigte hier der erste Seelsorger der neugeschaffenen Gemeinde Kandergrund Helferei bis 1859, G. Howald, über Ps. 104, 24 vor einem Publicum von etwa 30 Personen. Auf ihn selbst, so wie auf seine Begleiterinnen, nehmlich dessen Gattin Sophie geb. Ruprecht und Jgfr. Anna Elisabeth Geiser von Langenthal, machte sowohl der Anblick des großartigen Thales als seiner gastfreundlichen Bewohner, namentl. der Frau Maria Großen, geb. Künzi, einen recht freundlichen unvergeßlichen Eindruck. Einen lieben Begleiter und Wegweiser hatten wir an dem wackern Schullehrer Abraham Großen von Kandersteg.

[Gottl.] Howald, Hfr [Helfer]

1842
[Montag], den 8. August, predigte der Unterzeichnete über Matth. 13, 33. Es hatte sich eine Zuhörer-Zahl von etwa 40 Personen eingefunden, unter denen sich befanden Hr. Alexander v.Gravenried mit seiner Gattin Rosa geb. Gaudard, Frau M. Howald geb. Gaudard zu Thun, Hr. Ferdinand Ruprecht zu Laupen, und des Predigers Frau. Zum Zwecke des Beiwohners bei dem Gottesdienst hatten ferner sich eingefunden Hr. Ad. v.Rougemont mit seiner Gattin, in der Chartreuse, der mir für die Anschaffung eines Nachtmahlbechers für die Gemeinde Kandergrund 28 übergab!
Von dem Bäuertvogt Gilg. Steiner und seiner Familie wurden wir sehr zuvorkommend aufgenommen und aufs beste bewirthet, wofür ihnen herzlicher Dank gesagt wird. Begleitet wurden wir von den Schullehrern Abr. Großen im Kandersteg, J. Ültschi zu Mittholz, un Ryter zu Kanderbrügg. Der Herr segne dieses Thal:

G. Howald. Hfr.

1843
[Montag] den 7. Augstmonat, hielt ich die jährlich einmal wiederkehrende Gasternpredigt über Psalm 139 bei sehr schönem Wetter. Es waren 30 Personen anwesend. Herr Baumeister L. Hebler von Bern und die Schullehrer Abraham Großen und Johannes Bettschen zu Mittholz geleiteten den Prediger. Von der Familie des Bäuertvogts Gilg. Steiner sind wir recht freundlich aufgenommen worden.
Diesen Frühling und Sommer ist so häufig üble Witterung gewesen, daß man hier an einer zeitigen Kartoffelerndte gänzlich verzweifelt. Sehr häufig schneit es über die Berge, und vor 14 Tagen war das Gasternthal ebenfalls mit Schnee bedeckt.

G. Howald. Hfr.

[1844]
Im Jahre 1844 wurde hier kein Gottesdienst gehalten, nicht aus Nachläßigkeit des Predigers, sond. weil sich die Bäuert Gastern gar nicht für die Abhaltung eines Gottesdienstes aussprechen wollte. Auf Wunsch hin wird hier nachträglich bemerkt, daß der Erbauer des Pfrundhauses zu Bunderbach Hr. Ludwig Hebler, Architekt, von Bern ist, der diesen Bau mit besond. Geschick und Liebe betrieben hat. [Eingetragen nach 1845]

1845
[Montag], den 4. August, wurde hier Gottesdienst gehalten. Es waren mehr als 50 Personen da. Es wurde gepredigt über Lucas 15, 1 - 7. Wie wichtig die Rettung jedes einzelnen Sünders sei. Ich wurde begleitet von meinen Kindern Sophie und Ernst, und und Elise Howald zu Ersigen, auch von dem wackern Schullehrer Großen von Kandersteg. Der Familie des Joh. Großen beim Stein und seiner Frau Maria Künzi sage ich für die freundl. zuvorkommende Aufnahme herzlichen Dank.
Nach der Predigt prüfte ich die hier domicilirenden Schulkinder, 5 Knaben und 3 Mädchen.

1846
[Dienstag], den 11. August, wurde hier die übliche Predigt gehalten über Hebr. 13, 8. Es waren 29 Zuhörer anwesend. Begleitet wurde ich hieher von meinem Schwager Ferdinand Ruprecht von Laupen.
Am 20. Juni starb hier plötzlich der ½jährige Knabe Gilgian Künzi, Peters, beim Räumen der Steine im Kühplätzlein. Möge der Herr den schmerzlich trauernden Eltern seinen reichen Trost schenken. Dieser Sommer ist ungewöhnlich heiß. Die Erdaäpfelkrankheit droht auch hier.
Die bekannte gastfreundliche Aufnahme durch die Familie des Bäuertvogtes Johannes Grogen blieb sich auch dieß Jahr gleich, sie wird herzlich verdankt. Wie wohl thut, in dieser Abge- schiedenheit von der Welt, solch biedere ungeschminkte Zuvorkommenheit.
Gott schenke dieser Familie, sowie der ganzen Thalschaft seinen Schutz und Segen.

G. Howald. Hfr.

1847
[Montag], den 2. August, kam zum Erstenmal in dieses Thal G[ottlieb] Ziegler, neuerwählter Pfarrer von Kandergrund, in freundlicher Begleitung von Schullehrer Abraham Großen von Kandersteg, und predigte über Psalm 91, 1 & 2, es waren 34 Zuhörer. Die freundliche Aufnahme und Bewirthung seitens der Familie Johannes Großen biebt Muth öfters hieher zu komnen.

1848
[Mittwoch], den 9. August, war hier ebenfalls Predigt (über Psalm 19) [Nachtrag, siehe 1851!]

1849 und 1850 ward nicht gepredigt.

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1851
[Freitag, 1. August,] predigte über Psalm 19. Kam ohne Begleitung. Das Wasser hatte den Weg an vielen Orten verheert. Der Eggetligraben hat bedeutende Verheerungen angerichtet.
[Freitag] den 1. August, einem für den ganzen Kanton, soweit die Are lauft, Verderben bringenden Tage.

1852
[Montag], 2. August, Predigt über Psalm XXIX, 1. - 4. Vers. R. Schatzmann, Pfarrer von Frutigen. Anwesend als G[äste] G. Ziegler, Helfer, und Lehrer Abr. Großen.

1853
[Montag,] 8. August, predigte über Lucas 15, 1 - 7., anw. alle.

G. Ziegler, Hfr.

1854
wurde hier auch gepredigt von

G. Ziegler, Hfr.

1855
[Montag,] den 6. August, Predigt über Apostelgesch. XVII. 14 Tage nach dem Erdbeben, das Visp im Wallis zerstörte und hier stark verspürt wurde. G. Ziegler, Hfr. In Begleitung von G. Großen, Schullehrer in Mitholz, anwesend 40 Personen.

1856
[Montag], den 4. August, Predigt über Mt. 13, 45. Zuhörer 53, unter and. Hr. Dr. Escher, Hr. Dr. Schären med., Hr. Dr. med. Stein aus Frankfurt.

1857
[Montag], den 3. August, predigte über Psalm 90, anwesend 26 Personen, mit Gottlieb Großen Lehrer, und Christen Stoller, Ing. Knecht.

G. Ziegler, Hfr.

1858
[wurde nicht gepredigt]

1859
[Montag] 8. August, predigte über Psalm 125. J. Ziegler, Pfarrer in Messen, d.Z. Decan von Büren, begleitet von Chorrichter Joh. Großen und Lehrer Gottlieb Großen und 4 Knaben. L. Delachaux, Rud. Wild, Ernst Ziegler, seinem Knaben, Joh. Holzer und 32 S. [Seelen] bei schönem Wetter an den Selden.

1860
Ward wegen der Krankheit des Hr. Helfer Ziegler keine Predigt gehalten.
Hr. Helfer G. Ziegler, hochverdient um die Gemeinde, verstarb zu Gsteig bei Interlaken, den 21. Oct. 1860.

1861
[Dienstag] den 30. Juli, predigte zum ersten Mal hier in Gastern A. [Daniel Albrecht] Rytz, Pfarrer seit 21. Dec. 60, über Joh. X, 1 - 18, anw. 40 Personen. Die Aufmerksamkeit der Leute und ihrer Freunde an Gottes Wort giebt Muth und Freudigkeit zur Gasternpredigt.

1862
[Dienstag,] den 29. Juli, Predigt über Ap. Gesch. 17, 24, vor 35 Personen. Guter Heuet, aber Unfälle mit Vieh.

1863
[Dienstag], den 28. Juli, über Jesaj. 54, 10, vor 39 Personen, unter diesen Hr. Dr. Custer-Fueter von Aarau, Schwager des Pfarrers.

1864
[Mittwoch], den 27. Juli, über I, Johannes IV, 4, vor 43 Personen, unter diesen die Pfr. Frikart von Frutigen, Blaser von Reichenbach, Pfarrvicar E. Furer von Aeschi und Frau Pfarrer Rytz-Fueter von Kandergrund und ihre Schwester Frau Dr. [E. L.] Fetscherin-Fueter von Bern.

1865
[Freitag], den 28. Juli, über I. König. XIX, 9 - 18, vor 38 Personen, darunter die Waldschatzungscommißion, Oberbannwart Mürner und Chr. Wittwer von Reichenbach, Gem. Rath Reichen von Kandergrund, Gem. Rat Rösti von Kandersteg, Gem.Schreiber G. Großen von Mitholz.

1866
[Mittwoch], den 1. August, über Psalm CXXI, vor 41 Personen, darunter Fritz Miescher, stud.med., Ernst Miescher, stud. theol., Paul und Karl Miescher, stud. Gymn., und K. Högger, stud. theol., alle von Basel, Ed. Fueter Architekt aus Bern.

1867
[Mittwoch]‚ den 31. Juli, über Psalm LXVII, 6, 7, vor 37 Personen. Sehr schöne Witterung. Freundl. und zuvorkommende Aufnahme. Möge diese schöne Bibel weiter in solche Ehren gehalten werden und ihr Inhalt reiche Früchte zum ewigen Leben tragen.

1868
[Dienstag], den 4. August, über Psalm CXXI, 1-4, vor circa 38 Personen. H. Pfr. Thellung und dess[en] Bruder [unleserlich]; schön[es] Wetter.

1869
[Montag], den 26. Juli, über Matthäus VI, 25-34. Vorcirca 42 Personen. Wetter günstig.

1870
[...] Juli, vor circa 38 Personen, id. [Wetter ungünstig, kaum leserlich]

1871
[Dienstag], den 1. August, bei sehr schönem Wetter. Über l. Mose 28, 10 - 22. Anwesend gegen 45 Personen.

1872
Er [ster] Aug. [gestrichen] Juli: ia. [Bezieht sich auf die Bemerkung 1871 "bei schönem Wetter"], circa 20 Personen.

1873
[Donnerstag], 31. Juli, bei. herrlichem Wetter und bewunderungswürdiger Aussicht im Gasternholz, - Predigt über Matthäus 6, 25 - Ende Kap[itel]. Anwesend mit einer Familie F... [unleserlich] circa 47 Personen.

1874 und 1875
[kein Eintrag]

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1876
[Sonntag], 6. August. Über Psalm 34, 19. Abends 4 Uhr. An- wesend circa 25 Personen.

1877
[ohne Tag] August. E. Gebet. Anwesend Herr und Frau Pfarrer Grob von Hedingen, Kanton Zürich, und beim Gottes-Dienst sonst bloß 15 Personen etwa.

1878
[Dienstag], 6. August. Ueber 1. Tim. 6, 6 - 9. Anwesend über 30 Personen. Wetter gut, aber schlechter Heuet.

1879
[Freitag] 8. August, Col. 3,3. Anwes. Wetter zl. [ziemlich] gut, längere Zeit hier vorzügl. Heuwetter. 2 Familien bereits heingekehrt. Keine Predigt. Nach mehr als acht Tagen dauerndem schönen Wetter hatten die Leute trotz dem 3stündig Verschieben des Gottesdienstes noch keine Zeit zu kommen. Unter solchen Umständen hat die alte schöne [ausgewischt] keinen Zweck mehr, noch ein Weg von 8 Stunden.

[1880]
[kein Eintrag]

1881
[Montag], 25. Juli, wurde der Gottesdienst abgehalten, bei schönen Wetter etwa um halb 3 Uhr von dem dermaligen Pf.Verweser der Gemeinde Kandergrund, Pfarrer Karl Stettler in Frutigen. Anwesend ca, 55 Pers[onen], darunter 24 Kinder, auch Frau Pf[arre]r Stettler v[on] Frutigen wohnte bei. Bäuertvogt Hr. Gemeinde R[at] Jakob Reichen Gilgians sel. Text der Predigt Psalm 121, von den Bergen, von welchen uns die vollKommene Hülfe kommt. Gesungen wurde, etwas schwach, No 13, 1 und zum Schluß 72, Mögen diese schönen Gottesdienste sich noch lange erhalten, zum Heil der Seelen & zum Preis des allmächtigen & gnädigen Gottes.

K.. Stettler Pfr.

1882
Mittwoch, 9. August. Gasterenpredigt bei günstigem Wetter Nachm. 2½ abgehalten, zum 1. Mal von dem vor 4 Monaten frisch gewählten Pfarrer. Anwesend ca 30 Gasternbewohner, dazu Hr. Pfarrer Stettler von Frutigen mit Familie, die dortige Secundarschule in corpore in Begleitung von d[en] H[erren] Lehrer Mülenthaler und Beetschen. Lehrer Imobersteg aus Kardersteg Frau Reichen, Lehrerin, aus Kandersteg, die Frl. Egger, v. Allmen Rösti, Summa ca 65 Personen. Text der 104. Psalm, Lied 76. Gesang vortrefflich dank der vielseitigen wirksamen Unterstützung. Gott schütze und segne Gasteren! Auf Wiedersehen.

Fritz Stettler, Pfarrer

1883
Donnerstag, 2. August. Gasternpredigt gehalten Vormittag 11 Uhr bei schönem Wetter. Anwesend 55 Personen, darunter die Eltern des pastore loci, Hr. + Fr. Pfr. St[ettler] von Bremgarten, sowie seine Schwester Henriette St[ettler], Lehrer Imobersteg aus Kanlersteg. Wir übernachteten hier, um die Predigt am Morgen halten zu können, was den Leuten sehr angenehn ist. Text der 46. Psalm, Lied 72. Gesang ordentlich. Sehr freunilich aufgenommen! O das schöne Gastern! Lebe wohl, auf Wiedersehn!

Fritz Stettler, Pfarrer

1884
Freitag, 1. August. Gasternpredigt gehalten Vormittag 10½ Uhr über die Vergänglichkeit alles Irdischen: "Der Mensch ist in seinem Leben wir Gras. Das Gras verdorrt, die Blume fällt ab denn der Geist des Herrn bläset darein." Psalm 103, 15 - 17, l. Petrus 1, 24 - 25. Lied 133, V. 2 - 8, Anwesend ca. 60 Personen, darunter Lehrer Imobersteg v. Kandersteg, Lehrer A. v.Känel, Mitholz, sein Sohn, Lehrer im Schwandi nebst Bruder. Wetter prachtvoll, herzlich aufgenommen.
Behüt dich Gott, es ist zu schön gewesen; behüt dich Gott, es so sollen sein.

Fritz Stettler, Pfarrer

1885
Donnerstag, 30. Juli. Gasternpredigt gehalten über Psalm 103, 1 - 5 "Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er Dir Gutes gethan", Dank für den prachtvollen Somner mit seinem reichen Segen: der Heuet ist, begünstigt vom herrlichsten Wetter, sehr rasch von Statten gegangen; viele Leute sind schon abgezogen, so daß bloß ca 25 Personen sich einfanden. Ich war geleitet von Hr. Arthur v.May aus Bern; wir langten Abends zu vor an, um Vormittags predigen zu können, Die Liebe höret nimmer auf.

Fritz Stettler, Pfarrer

1886
Montag, 2. August. Gasternpredigt über Jesaias 40, 6 - 8. Vormittags 11 Uhr, bei gutem Wetter, anwesend ca 20 - 25 Personen, Zu Ehren meiner Braut, Selma Graf, welche jedoch, dem Ruf der Pflicht folgend, wieder nach Bern geeilt war, um ihre Schule am heutigen Tag wieder zu beginnen und daher nicht anwesend war, hatten die Mädchen schöne Kränze gewunden und auf der Laube, von der aus gepredigt wurde, angebracht. Auf Wiedersehn übers Jahr.

Fritz Stettler, Pfarrer

1886
Montag, 2. August. Gasternpredigt über Jesaias 40, 6 - 8. Vormittags 11 Uhr, bei gutem Wetter, anwesend ca 20 - 25 Personen, Zu Ehren meiner Braut, Selma Graf, welche jedoch, dem Ruf der Pflicht folgend, wieder nach Bern geeilt war, um ihre Schule am heutigen Tag wieder zu beginnen und daher nicht anwesend war, hatten die Mädchen schöne Kränze gewunden und auf der Laube, von der aus gepredigt wurde, angebracht. Auf Wiedersehn übers Jahr.

Fritz Stettler, Pfr.

1887
Freitag, 29. Juli, Vormittags 10 - 11 Uhr. Gasternpredigst gehalten über Psalm 104, 24: "Herr wie sind deine Werke so groß & viel, - du hast sie alle weislich geordnet & die Erde ist voll deiner Güter", Lied 72. Bei schönem Wetter waren gegen 40 Personen anwesend; darunter Frl. Lisa Graf, Frl. Emma Römer, Lehrerin; Frl. Henriette & Emilie Stettler, wiederum hatten die Mädchen die Laube, von der aus gepredigt ward, mit schönen Kränzen & frischem Grün geschmückt.

Fritz Stettler, Pfr.

1888
Freitag, 10. August, Vormittags 10 - 11 Uhr. Gasternpredigt gehalten iiber Hiob cp. 37, 1 - 13: "Der Herr spricht zum Schnee: Falle zur Erde und zu den Regengüßen, zu den Regengüßen seiner Macht" - in Erinnerung an den ungewöhnlich regnerischen Sommer, welcher die Heuernte ungemein erschwerte & verzögerte, daher auch die Predigt erst so spät gehalten wurde. Das Wetter prachtvoll. Anwesend 40 - 50 Personen, worunter etliche Touristen. Ich kam ohne Begleitung.

Fritz Stettler, Pfr.

1889
Donnerstag, 1. August Vormittags 10 - 11 Uhr, Gasternpredigt gehalten über Matth. 24, 35: "Himmel & Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht". Wetter wundervoll klar. Anwesend 55 - 60 Personen, worunter Herr Waisenvater Russi aus Thun nebst Sohn, stud. theol; die Hrn. Maler Hartmann + Steiner, Herr Lehrer Imobersteg aus Kandersteg & Ott v. Mitholz. - Ich kam in Begleitung des 9jährigen Eduard Stettler, Sohn des Fürspr. Eug. Stettler-Zündel von Bern, Abends zuvor.
Reicher Segen: das Gras so schön & dicht, wie seit m Jahren niemehr!

Fritz Stettler, Pfr.

1890
Mittwoch, 30. Juli Vormittags 105 Uhr,Gasternpredigt gehalten über Jo. 4, 13 - 15: "Das Wasser, das ins ewige Leben quillt". Nach einem Gewitter in der vergangnen Nacht hat sich das Wetter aufgehellt, der Heuet zieht sich in die Länge, die einen Leute sind bereits fertig, die andern haben noch nicht angefangen, m daher nur ca 30 Personen anwesend. - Ich kam ohne Begleitung.

F. Stettler, Pfarrer

1891
Dienstag, 4. August Vormittags 11 Uhr, ̈Gasternpredigt gehalten über Math. 5, 8: "Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen". Anwesend ca 30 - 35 Personen. Wetter sehr trübe, neblig; Heuet sehr verzögert; eine rechte Geduldprobe: Ich war begleitet von Frl. Frieda Knopf aus Bern und Herrn David Melitz aus dem Kaukasus. Wie alle früheren, so war auch dies Jahr die Aufnahme und Bewirthung sehr freundlich.

F. Stettler, Pfarrer

1892
Freitag,5. August Vormittags 10 Uhr, Gasternpredigt gehalten über 1. Mos. 8, 21 - 22: "So lang die Erde stehet, soll nicht aufhören Same&Ernte, Frost&Hitze, Sommer&Winter, Tag&Nacht". - Anwesend 30 - 35 Personen, worunter G. Müller nebst seiner Schwester Susanna, Lehrer Imobersteg & Frau, alle aus Kandersteg. - Wetter ordentlich.

F. Stettler, Pfr.

1893
Montag,7. August Vormittags 10½ Uhr, Gasternpredigt gehalten über Ps. 111, 10: "Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang". Anwesend ca 40 Personen, worunter Herr Herzig, Buchdrucker, aus Langenthal, Herr ‚stud. phil. Herzig, Frau Messerli-Luginbühl aus Bern; Frl. Wintsch, Lehrerin aus Zürich, Herr & Frau Hinnen, Photogr. aus Zürich, Frl. Wintsch, Zür[ich]. Sehr schönes Wetter, - freundlichst aufgenommen.

[Unterschrift fehlt, Handschrift Pfr. Stettler]

[Obere Hälfte leer, für spätere Nachträge: Es fehlen Einträge für die Jahre 1894, 1895, 1896, 1897 und 1898]

1899
Dienstag, den 1. August Vormittags 10½ Uhr, Gasternpredigt gehalten über Jer. 5, 24: "Lasset uns doch den Herrn, unsern Gott, fürchten, der uns Frühregen & Spatregen zu rechter Zeit giebt & uns die Ernte treu- lich & jährlich behütet." Die einzig berechtigte Furcht für den Xsten [Christen] ist die Gottesfurcht, die zu Dankbarkeit, Vertrauen & Liebe führen muß.- [am Rande:]
ca. 40 Personen.-Prächtig Wetter, mittlere Ernte, herzliche Aufnahme & Gastfreundschaft. Mich begleiteten meine l[iebe] Frau, Schwägerin Marie & Schwager Gustav, Cousine Fueter v. Basel etc. Mit Schwager Gustav besuchte ich folgenden Tags von der Gfällalp das Hockenhorn, sehr lohnend.

O. Rytz Pfr.

1900
Mittwoch, den 1. August Vormittags 11 Uhr, Gasternpredigt gehalten über 3. Mose 7, 29: "Wer dem Herrn sein Dankopfer thun will, der soll darbringen, was vom Dankopfer dem Herrn gehört." Ca 30 Personen, darunter Hr. Oberst Siegfried aus Aarau & Herr Pfr. Isler aus Basel, beide mit ihren werthen Frauen & sonstigem Gefolge. Pràchtig Wetter. Gute Heuernte. Herzliche Aufnahme. Besten Dank.

O. Rytz Pfr.


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